Niederlagenserie? So solltest du als Sportler mental damit umgehen.

Du bist Sportler und musst eine Serie voll Pleiten, Pech und Pannen durchmachen? Das hat wohl jeder schon erlebt. Ich bin seit über 20 Jahren aktiver Tischtennisspieler und hatte zum Beispiel vor zwei Jahren eine Niederlagenserie. Ich fing gerade beim VfL Ahaus in der Bezirksliga an und habe in der Vorrunde zwar auch ein bisschen was gewonnen, aber wesentlich mehr verloren. 3:14 hieß meine Einzelbilanz am Ende der Vorrunde. Im nachhinein hat mich diese Phase allerdings wieder einige Sachen gelehrt, sodass ich sehr gestärkt daraus hervorgegangen bin. Heute erziele ich positive Bilanzen in der Bezirksliga und bin derzeit einer der besten Spieler im "mittleren Paarkreuz" der Bezirksliga. 

 

Das Thema aus Niederlagen lernen und damit umgehen ist sehr umfangreich, ich gebe dir deshalb heute nur ein paar Schwerpunkte mit, die ich nun in jedem Spiel verinnerlicht habe. 

 

1) Habe Spaß am Spiel und entwickle Spielfreude 

 

Du darfst als Sportler - egal wie es für dich läuft - niemals den Kontakt zum Spaß und zur Spielfreude verlieren. Die bilden die Grundlage dafür, dass du überhaupt erfolgreich und erfüllt spielen kannst. Zunächst einmal solltest du Spaß an deiner Sportart haben. Deshalb bist du ja wahrscheinlich irgendwann auch mal in einen Sportverein gegangen. Um Spaß zu haben und deine Freude an dieser Sportart ausleben zu können. Komischerweise ist es nur in vielen Bereichen so (auch außerhalb des Sports), dass wir im Laufe des Lebens immer mehr den Kontakt zum Kind in uns verlieren. Der Teil in uns, der einfach nur spielen will und dem Ergebnisse nicht so wichtig sind, geht immer mehr verloren. Das Umfeld, Medien, Schulen und die Gesellschaft bringen uns im Laufe des Lebens bei, dass nur Ergebnisse zählen. Gute Noten, Geld, Gehälter, Abschlüsse, eben zählbares. Und diese Mentalität überträgt sich bei vielen natürlich auch auf ihre Sportart. Viele erwachsene Sportler spielen nur noch deshalb, um zu gewinnen, um Punkte zu machen, um in der Tabelle nach vorne zu kommen. 

 

Doch diese reine Zahlenorientierung sollte nicht den Kern deines Gefühls bilden. Erinnere dich doch bei deinem nächsten Spiel mal daran, was dich an dieser Sportart eigentlich spielerisch so reizt. Warum du irgendwann damit angefangen bist, noch bevor Ergebnisse und Zahlen für dich so wichtig wurden. Warum hast du Spaß an dieser Sportart? Was macht den besonderen Kick für dich aus? Spielst du wirklich noch aus deiner ursprünglichen spaßigen und kindlichen Freude heraus, oder nur noch deshalb, weil du Punkte- oder Torelieferant für dein Team sein willst? 

 

Das Problem kommt nämlich, wenn du eine Niederlagenserie durchlebst. Du bist dann plötzlich mental sehr stark auf "verlieren" getrimmt. Das macht es dir noch schwerer, deine spaßige Seite am Sport auszuleben. Du schaust noch viel mehr auf die Ergebnisse als vorher, denn du willst ja auch nicht noch das nächste Spiel verlieren. 

Zurück zum Thema Spaß und Spielfreude. Diese beiden Dingen werden immer die Grundlage dafür sein, dass du erfolgreich spielst. Viele denken, dass sie erst gewinnen müssen, um Spaß an irgendwas zu haben. Das ist genau falsch herum. 

 

Mein Tipp: Du musst gerade in einer Niederlagenserie noch positiver sein, noch besser mit dir selbst umgehen, noch selbstbewusster sein, noch mehr zeigen, dass du die Niederlage gut wegsteckst und es eben im nächsten Spiel wieder versuchst. Sage dir gerade in schwierigen Spielen immer wieder vor "Ich will heute Spaß am Spiel haben und alles versuchen". Sage es dir leise immer wieder vor und programmiere deine Gedanken so. 

 

Wenn du in einer Niederlagenserie vor jedem Spiel sagst "Heute muss ich jetzt aber mal wieder gewinnen", entsteht negativer Druck. Du willst den Sieg zu sehr, und wahrscheinlich weißt du ja, was passiert, wen du etwas zu stark willst? Du schaffst es nicht, du stößt dieses Ziel eher immer weiter von dir weg. Wecke also in schwierigen Momenten den kindlichen, spaßigen, spielerischen Gedanken in dir. Wie du das am besten schaffst, musst du selbst herausfinden. 

 

Wenn ich Tischtennis spiele, berühre ich auch manchmal vor dem Spiel meine Brust/mein Herz und sage mir leise vor: "Hab Spaß beim Spiel." Du musst dir sowas immer wieder vorsagen, auch wenn dir gar nicht danach ist. Du musst dein Gehirn, das dir immer wieder diese angebliche Angst vor der Niederlage eintrichtern will, etwas austricksen und überwinden. Denn merke dir: Was dein Gehirn dir vorsagt, muss absolut nicht stimmen. Das Gehirn ist von Natur aus negativ "veranlagt". Erziehe es also positiv um und sage dir immer wieder vor, auf welche Art und Weise du dein Sportspiel bestreiten willst. 

 

2) Löse dich von zu viel Ergebnisorientierung

 

Wie oben schon beschrieben, sollten Ergebnisse nicht das Maß aller Dinge sein. Klingt für viele Sportler komisch, ist aber meiner Erfahrung nach so. Denn sei mal ganz ehrlich: Am besten hast du wahrscheinlich immer dann gespielt, wenn du das Ergebnis - warum auch immer - mal ausblenden konntest, oder? Wenn du einfach nicht an den Spielstand gedacht hast, wenn du im Flow warst, wenn du einfach gespielt hast, so wie oben beschrieben. Wenn du deinen Sport einfach deshalb gemacht hast, weil du ihn so geil findest. Deshalb mein konkreter Tipp: Guck einfach nicht mehr so oft zur Spielstandsanzeige. Bringe dich körperlich und mental bewusst in eine Ausgangsposition, wo du dich nicht permanent mit dem Spielstand beschäftigst. DU musst dich selbst in diese Position bringen, das macht kein anderer. Das ist deine Entscheidung!

 

Wälze auch vor oder nach dem Spiel nicht zu viele Statistiken. Setze einfach mal vor dem Spiel die Prioritäten anders. Gerade dann, wenn du in einer Niederlagenserie steckst. Sage dir bewusst VOR dem Spiel: 

 

Heute will ich einfach mal spielen, um Spaß zu haben. Ich achte auf meine Spielfreude, nicht auf das Ergebnis. 

oder 

Heute gucke ich mal, was ich von Mannschaftskollegen oder sogar vom Gegner lernen kann. 

oder 

Heute bin ich einfach mal glücklich und dankbar, überhaupt gesund zu sein und dieses Spiel machen zu können. 

 

Es gäbe noch wesentlich mehr Möglichkeiten. Sage dir das einfach immer wieder vor. Oder schreib es auf einen Zettel und stecke diesen in deine Hosen- oder Sporttasche. Alles, was du aufgeschrieben hast, pflanzt sich noch deutlich stärker im Unterbewusstsein ein.

 

Wenn du deinen (kindlichen) Spaß und deine Spielfreunde zurückfindest und das Ergebnis nicht total überbewertest, dann kommt in der Regel die Lockerheit zurück. Zuerst mental, und dann körperlich. Und erst dann können wieder gute Ergebnisse entstehen. Wiegesagt: Erst Spaß haben, dann Spiele gewinnen. Nicht umgekehrt.  

 

Versuche, dich immer nur auf die nächste Spielsituation zu fokussieren. Wer wirklich im Moment lebt, der kann auch sehr viel leichter Spielfreude entwickeln. Beobachte während des Spiels genau den Ball, oder was auch immer dein Spielgerät ist. Und erkenne dieses Spielgerät und das Spiel an sich als das, was es eigentlich ist: Eine Möglichkeit, um hier und heute Spaß zu haben und das Leben zu genießen. 

 

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner nächsten spielerischen Erfahrung, 

 

dein Alexander Bitting 

 

Zusatzimpuls:

Kinder haben häufig noch genau die richtige Einstellung, was den Spaß am spielen angeht. Diese Mentalität sollte man sich auch als Erwachsener beibehalten, gerade bei einer Niederlagenserie. 

 

Doch auch viele Kinder leiden bereits unter der Ergebnisorientierung von außen. Ob durch Eltern, Trainer oder den Verein. 

 

Mein Tipp: Versau deinem Kind nicht das Spiel, indem du zu viel Erwartungshaltung aufbaust. Ein Kind sollte Spaß haben, egal wie das Spiel ausgeht. Gebe deinem Kind auch bei einer Niederlage das Gefühl, dass es das beste Kind der Welt ist. Und dass es vor allem kein schlechtes Gewissen haben muss. Es gibt wesentlich wichtigere Dinge als das Ergebnis von Sportspielen! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0