Das Gehirn ist ein Gefahrensucher und kein Glücklichmacher - meine Learnings aus meiner Flugreise

Vom 20. bis zum 27. Mai war ich mit meiner Verlobten Caro auf Kreta - natürlich eine Flugreise. Meine erste Flugreise war erst Ende 2017 nach Mallorca. Für mein Alter bin ich bisher also verhältnismäßig selten geflogen. Schon über viele Jahre begleiten mich deshalb mulmige Gedanken rund ums Fliegen. So ein Flug ist für einen Passagier natürlich immer eine Ausnahmesituation - da geht es mir so wie vielen anderen. Ich weiß nicht, ob ich nach meinen bisherigen Flügen wirklich von Angst sprechen soll. Ich würde es mehr als mulmiges Gefühl aufgrund fehlender Erfahrungen beschreiben. Vor meinem ersten Flug hatte ich zur Sicherheit - damit ich beim Flug so beruhigt wie möglich bin - sogar ein spezielles therapeutisches Coaching gemacht. Mit Erfolg, denn ich war beim Flug wirklich ziemlich entspannt. 

 

Nun ging es dann am 20. Mai also auf meinen nächsten Flug nach Kreta. Einige Gedanken auf diesem Hinflug waren ein Paradebeispiel dafür, wie unser Gehirn von Natur aus funktioniert. Das waren zum Beispiel: 

 

1) Was ist, wenn ausgerechnet unser Flugzeug abstürzt? 

2) Was passiert eigentlich, wenn theoretisch beide Piloten bewusstlos werden? (Kam wahrscheinlich in der gesamten Geschichte der Luftfahrt noch nie vor)

3) Kann man nicht auch irgendwie anders nach Kreta kommen? 

4) Na toll, die Leute vom Eurowings-Absturz 2015 haben wahrscheinlich auch gedacht, dass nicht ausgerechnet ihr Flugzeug abstürzen wird. Und dann ist es doch passiert. 

5) Kann man den Piloten vertrauen? 

6) Hat ein Passagier zufällig eine Bombe im Gepäck? 

7) Kann es eigentlich sein, dass einer der Flügel abfällt? 

 

Das waren wirklich so Gedanken, die mir während des Hinfluges und auch am Abend davor durch den Kopf spukten. Einige klingen fast schon lustig, wie die Frage 3 oder Frage 7. 

 

So ein Flug deckt die negative Gefahrenausrichtung des Gehirns brutal auf. Denn rein evolutionär hatte das Gehirn keine andere Funktion, als uns durch Warnungen und Gefahrenhinweise unser Überleben zu sichern. Dieses "Steinzeit-Programm" ist natürlich auch heute noch in unser aller Köpfe verankert. 

 

Nun kann man die ganze Sache natürlich rational betrachten und sagen: Dass das Flugzeug wirklich abstürzt oder dass irgendeiner der oben genannten Fälle eintritt, ist extrem unwahrscheinlich. Ist es ja auch. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugunglück ums Leben zu kommen, gegen Null geht. 1:27 Millionen habe ich mal gelesen. Es ist viel viel wahrscheinlicher, im täglichen Leben oder im Auto zu Schaden zu kommen. Doch warum ist dann besonders beim Fliegen die Angst bei vielen Menschen so hoch? Ich habe dafür einige Hauptgründe ausgemacht: 

 

1) Man ist extrem hoch in der Luft. 

2) Man gibt die volle Kontrolle und Verantwortung in fremde Hände. (Wenn man mal darüber nachdenkt, tut man das aber auch bei jeder Fahrt mit einem Bus, Zug oder als Beifahrer im Auto). 

3) Wenn wirklich etwas passiert und man stürzt ab, dann ist es sehr wahrscheinlich vorbei mit dem Leben. 

4) Flugzeugabstürze werden medial extrem stark hervorgehoben, auch wenn nur ein winziger Bruchteil aller Flugzeuge abstürzt. Das sorgt natürlich dafür, dass sowieso schon verängstigte Menschen das Vorurteil aufbauen, dass Fliegen wirklich unsicher ist. Aus diesem Punkt kannst du übrigens natürlich auch lernen, dass du alles tiefgründig hinterfragen solltest, was dir in den Medien als Wahrheit aufgetischt wird. 

Ich will dir ein bisschen was über Angst erzählen. Meistens hat der Fakt, dass wir vor irgendwas Angst haben, zwei simple Hauptgründe: 

 

1.) Wir haben darin zu wenig Lebenserfahrung. 

2.) Wir haben zu wenig Hintergrundwissen über diese Sache. 

 

Auch diese Dinge kannst du wunderbar auf das Fliegen übertragen. Bei mir war es nun auch so, dass ich bei meinem Rückflug von Kreta schon deutlich weniger diese komischen Gedanken im Kopf hatte. Ich hatte schließlich wieder ein bisschen mehr Erfahrung damit gemacht. 

 

Auch der zweite Punkt lässt sich auf das Fliegen übertragen. Denn wenn man sich mit dem Fliegen an sich beschäftigt, stellt man tatsächlich fest, dass alles doppelt und dreifach abgesichert ist und es eigentlich keinen Grund zur Sorge gibt. Man kann sich ja auch immer wieder die Statistiken bewusst machen. Doch auch hier gilt eine einfache Regel über die Denkweise von Menschen: Rational und logisch betrachtet ist Angst vor dem Fliegen unbegründet, doch emotional betrachtet ist es trotzdem eine große Herausforderung. Und wenn es einen Dialog zwischen dem Kopf- und dem Bauchgefühl gibt, dann gewinnt meistens der emotionale Bauch. 

 

Ich will dir mit diesem Blog vor allem vermitteln: 

Solche Gedanken, wie ich sie zum Beispiel bei meinem Hinflug hatte, sind absolut nicht außergewöhnlich. Sie sind völlig normal. So funktioniert unser Gehirn. Es guckt ständig: Wo ist eine Gefahr? Wo ist mein Überleben bedroht? Was habe ich dazu schon mal (in den Medien) gehört? Wie könnte ich dieser Gefahr eventuell aus dem Weg gehen? 

 

Das ist eine völlig normale Veranlagung unseres Kopfes. Es ist wichtig, dass du dies weißt und auch in solchen Momenten erkennst. Denn dann kannst du für dich selbst einen Haken dahinter machen und dir zum Beispiel auf einem Flug sagen: "Alles klar, liebes Gehirn, danke für den Hinweis. Ich werde aber trotzdem Fliegen, da du dir gerade ziemlichen Quatsch zusammenspinnst." ;) 

 

Ja, es ist tatsächlich wichtig, folgende Lebensregel zu verinnerlichen: 

 

Glaube nicht alles, was du denkst! 

 

Nur weil ein Gedanke in deinem Kopf ist, heißt das nicht, dass dies der Wahrheit entspricht. Das ist sozusagen wirklich oft nur ein evolutionäres Überlebensprogramm. Realisiere das wirklich in diesen Momenten. Das kannst du auch auf ganz viele andere Lebensbereiche übertragen. Ganz ehrlich, wie oft hat sich unser Gehirn schon irgendeinen Mist zusammengesponnen, der nicht ansatzweise eingetreten ist? Wie oft haben wir morgens gedacht: Was für einen Scheiß habe ich eigentlich geträumt? 

 

Es ist wichtig, dass du dein Gehirn immer wieder mit positiven und energiegebenden Gedanken auffüllst. Zum Beispiel durch gute Impulse aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung (geschickte Eigenwerbung) oder durch positive Menschen in deinem Umfeld. Dass wir glücklich werden und dass wir weniger Angst haben, das macht unser Gehirn nicht automatisch. Ganz im Gegenteil, unser Kopf sichert von Natur aus nur unser Überleben und ist ein Gefahrensucher. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt.  

 

Wichtig ist auch, die Botschaft von Angst zu erkennen: 

 

Werde aktiv und gehe durch die Angst durch. Nicht in Passivität verharren! 

 

Viele gehen ihren Ängsten aus dem Weg, was diese aber meist noch mehr vergrößert. Denn das Leben schickt uns so lange Ängste und Probleme, bis wir sie gelöst haben. Dann kommt die nächste Aufgabe. 

 

Ich kann das wunderbar mit meinem Stottern verdeutlichen. Das hat mich früher wahnsinnig eingeschränkt. Ob in der Schule oder im Privatleben, wenn es darum ging, Leute/Mädels kennenzulernen. Doch ich habe nach meiner Lebenskrise 2011 entschieden, dass ich mich diesen Ängsten stelle. Dass ich versuchen will, mehr zu reden, selbstbewusster zu sein. Dass ich mir professionelle Hilfe hole. All das habe ich getan und genau deshalb hat diese Angst vor dem Stottern immer mehr nachgelassen. Heute nehme ich einfach Videos auf, veröffentliche Bücher und rede viel offener mit anderen Menschen. Das hat meiner Entwicklung extrem gut  getan. Ich habe es nicht getan, obwohl ich Angst davor hatte, sondern gerade WEIL ich davor Angst hatte (und immer noch ein bisschen habe!). 

 

In deiner größten Angst steckt immer dein größtes Entwicklungspotenzial als Mensch. 

 

Nimm also aus diesem Blog mit: 

 

1) Dämliche Gedanken, Ängste und Gefahrenhinweise aus dem Kopf sind ganz natürlich! Schäme dich nicht dafür, sondern hinterfrage, was dahinter steckt. Frage dich, worin du AKTIV werden solltest, um diese Angst zu verringern. Ganz verschwinden werden manche Ängste (Beispiel von mir: Angst vor Ablehnung durch das Stottern) wahrscheinlich nie, und auch DAS ist völlig normal!  

2) Realisiere, dass Angst auf fehlendes Wissen oder fehlende Erfahrungen zurückzuführen ist. An beiden Dingen kann man zweifelsfrei arbeiten! 

3) Angst verstärkt sich, wenn wir vor ihr davonlaufen. 

4) Lerne loszulassen und die Verantwortung in fremde Hände abzugeben. 

 

Das wären meine Botschaften, die ich aus meinem Flug mitgenommen habe. Hattest du mal ähnlich seltsame Gedanken oder hast selbst etwas Angst vor der Extremsituation Fliegen? Dann lass mir gerne einen Kommentar da oder kontaktiere mich. Ich kann dir mit Sicherheit einige gute Impulse mitgeben. 

 

Dein Alexander Bitting 

Inspiration // Wachstum // Erfolg

Das war meine Mimik-Kurzschlussreaktion vor Abflug zu meinem ersten Flug im September 2017. Auf dem Flug war ich dann allerdings recht ruhig. Sobald ich einmal in der Luft bin, geht es erstaunlicherweise. ;) 

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