Von Loslassen, Selbstvertrauen und Abhängigkeiten: Meine Learnings aus meinem Monat ohne Alkohol

Ende Dezember nahm ich mir vor, den ersten Monat des Jahres ohne Alkohol durchzuziehen. Dies ist kein neues Konzept, machen es auch viele (?) andere Menschen, zum Beispiel unter dem Motto "Dry January", zu deutsch Trockener Januar. Gerade nach einer feucht-fröhlichen Silvesternacht und den Weihnachtstagen im Überfluss wollen viele Menschen dem Körper inklusive der Organe etwas Gutes tun, damit die Leber sich entfetten kann. 

 

Ich bin ein Typ, der es aufgrund der Alkoholmengen gesundheitlich nicht unbedingt nötig hätte, einen Fastenmonat einzufügen. Und trotzdem ist es unbestritten, dass mir der Verzicht gesundheitlich gut getan hat. Da ich mich allerdings gerne mit meinem Herzensthema Persönlichkeitsentwicklung beschäftige, will ich dir in diesem Blog vor allem meine Learnings vorstellen, die ich psychologisch aus diesem Verzicht gezogen habe. 

 

Also auf geht's und direkt auf den Punkt gebracht: 

 

1) Wenn du etwas wirklich magst oder liebst, dann lasse es zeitweise los

 

Menschen, Dinge, Gewohnheiten, Geld, Jobs: Alles müssen wir irgendwann im Leben loslassen. Entweder, weil die Zeit gekommen ist, oder weil wir mit dieser Sache oder diesem Menschen einfach nicht mehr zusammenpassen. Oft wird einem in der "Erfolgsbranche" erzählt, dass das durchhalten wichtig ist. Dass du immer weiter kämpfen musst, dass du an einer Sache dranbleiben musst. Je nach Thema stimmt dies auch bis zu einem gewissen Maße. Doch die weitaus größere Kunst im Leben ist das Loslassen. Dies ist nämlich zum einen eine Eigenschaft, die du nicht einfach so erlernen kannst. Du musst sie immer wieder üben. Zum anderen ist das Loslassen eben auch ein riesiger Erfolgsfaktor. Denn um dich auf die wirklich wichtigen Dinge oder Menschen konzentrieren zu können, brauchst du Freiräume. Du musst aussortieren. Deshalb ist weniger oft mehr. Reduktion ist eine der größten Erfolgsfaktoren. Mache lieber weniger Dinge, egal ob beruflich, gesundheitlich oder zwischenmenschlich, ziehe sie aber dafür richtig durch. 

 

Loslassen zu können, ist insofern auch ein Zeichen deiner menschlichen Stärke. Denn wenn du dir den Ablauf des Lebens deutlich machst (lieben, loslassen, lieben, loslassen und so weiter), dann wird dir bewusst, dass du ein wichtiges Naturgesetz durchbrichst, wenn du nicht loslassen kannst. Deshalb solltest du gerade dann, wenn du etwas oder jemanden liebst, zumindest zeitweise davon loslassen. Das kannst du auf Dinge wie ein leckeres Bier genauso übertragen wie auf zwischenmenschliche Beziehungen. Ich löse mich zum Beispiel in Form meines Inspirationstages auch mindestens einmal im Monat räumlich von meiner Verlobten, eben WEIL ich sie liebe. Ich komme im Anschluss umso inspirierter wieder und somit profitiert auch unsere Beziehung massiv davon. 

 

Also: Loslassen ist das neue Durchhalten. ;-) Verkrampftes festhalten bringt dich in keinem Lebensbereich weiter, auch wenn dir vielleicht die Meisten etwas anderes erzählen. 

 

2) Mach dich von einer Sache emotional niemals zu abhängig

 

Dazu passt auch dieser Punkt. Mache dich vom Einfluss einzelner Dinge wie Alkohol, anderen Süchten, oder auch bestimmten Menschen niemals zu abhängig. Es gibt ein schönes Zitat, das lautet: "Alles, wovon du abhängig bist, wird dir über kurz oder lang Schmerzen bereiten." Und damit sind nicht einmal nur negative Abhängigkeiten wie Alkohol, Nikotin oder andere Drogen gemeint. Hier geht es vor allem um eine emotionale Abhängigkeit. Wie sehr brauchst du etwas, um in eine gute Stimmung zu kommen? Denk doch mal gerade beim Thema Alkohol daran. Wie oft trinken wir nur Alkohol als Stimmungslöser, und nicht, weil wir es wirklich so unglaublich lecker finden? Wie oft sind wir die "Umstandstrinker", die nur deshalb etwas trinken, weil gerade halt Wochenende oder eine Party ist?!

 

Frage dich deshalb: Was brauche ich WIRKLICH, um in eine gute Stimmung zu kommen? Wonach suche ich, indem ich Alkohol trinke? (Daher kommt auch das Wort Sucht). Es ist wahrscheinlich eine gelöste Stimmung, Entspannung, Stressreduktion, oder? Nur diese Dinge musst du natürlich durch deine Persönlichkeitsentwicklung entfalten, da hilft dir auch kein Bier. Diese Dinge können zwar gefühlt zeitweise helfen, um lockerer zu werden, doch auf Dauer verstärken sie eher das eigentliche Problem, wenn du nicht parallel an deinen Ängsten arbeitest. 

 

In früheren Jahren, gerade am Ende der Schulzeit, während der Ausbildung und in den ersten Berufsjahren, habe ich Alkohol wirklich oft als Lockermacher getrunken. Ich war nämlich unterbewusst immer angespannt, weil ich Angst vor dem Stottern hatte. Als Stotterer habe ich früher einige negativ prägende Erfahrungen gesammelt, andere haben gelacht und gehänselt (allerdings auch nur, weil ich es mit mir habe machen lassen). Ich habe oft nicht zu mir gestanden. Und immer, wenn ich dann Alkohol getrunken habe, wurde natürlich auch meine Aussprache lockerer. Ab einer gewissen Menge denkst du dann als Stotterer oder schüchterner Mensch nicht mehr darüber nach, was du sagst. Was - zumindest sprachlich - Vorteile mit sich brachte.

 

Dies hat aber natürlich mein eigentliches Problem, nämlich die Angst vor Ablehnung, Verkrampfung oder vor peinlichen Situationen, nicht behoben. Ganz im Gegenteil, es kann dann sogar wie ein Verstärker wirken. Deshalb war auch mein psychischer Tiefpunkt im Jahre 2011 im Nachhinein so "geil", weil mir das Leben eben gezeigt hat: "Ey Alex, Alter Schwede, so geht's echt nicht weiter! Jetzt arbeite doch endlich mal an deinen Ängsten und lauf nicht mehr weg! Stell dich und beweg' deinen Hintern!" 

 

Lange Rede, kurzer Sinne: Mache dich nicht von einer Sache oder einem Menschen abhängig. Das löst deine Probleme zu keinem Zeitpunkt. Arbeite an deinen Ängsten und deiner Persönlichkeit, damit du z.B. auch keinen Alkohol brauchst, um locker zu werden. Und suche dir vor allem die Menschen, wo du so sein kannst, wie du willst. Dann brauchst du erst Recht keinen Alkohol, um interessante und entspannte Gespräche zu führen. Je weniger du etwas von außen brauchst, um gut drauf zu sein, desto gereifter ist deine Persönlichkeit. 

3) Ziehe Dinge durch, um Selbstvertrauen zu erlangen

 

Wenn wir uns die schöne deutsche Sprache einmal genauer anschauen, erkennen wir fast immer den Sinn eines Wortes. Selbstvertrauen bedeutet nicht, dass man der lauteste und extrovertierteste Mensch im Raum ist. Es bedeutet, dass du dir selbst vertrauen kannst. Nur wie erreichst du das am besten?

 

Du gibst dir den ganzen Tag selbst Versprechen. Mal kleinere und unbewusstere, mal größere. Und das Schlimmste, was du tun kannst, ist diese Versprechen zu brechen. Wenn du dann zum Beispiel dir und deinem Körper versprichst, dass du einen Monat komplett auf Alkohol verzichtest, dann ziehe es auch durch! Genau dann wächst nämlich dein Selbstvertrauen. Denn Körper und Geist merken dann: "Hoppla, das ist ja ernst gemeint! Ich kann mich auf mich selbst verlassen!" 

 

Das ist so ein riesiger Erfolgsfaktor. Wenn du nämlich z.B. beim Alkohol sagst: "Naja, ich hab mir das versprochen, aber das eine Bier macht ja jetzt auch nicht viel aus". Oder auch: "Jetzt habe ich ja schon drei Wochen verzichtet. Ist jetzt genug gewesen, reicht ja auch aus. Ist ja nicht schlimm, das eine Bier." 

 

Diese "Ist ja nicht so schlimm Lari Fari Mentalität" kostet dich deinen kompletten Lebenserfolg! Wenn du es z.B. noch nicht einmal schaffst, einen Monat auf Alkohol zu verzichten (und das ist wirklich leicht, wenn du dich mit der richtigen Einstellung darauf einlässt), wie willst du dann jemals größere Ziele erreichen? Wie willst du mal etwas wirklich gewaltiges auf die Beine stellen, wenn du dich bei den kleinen alltäglichen Gewohnheiten immer wieder selbst enttäuschst? Also: Du kannst jeden belügen, nur nicht dich selbst. Nicht eingehaltene Versprechen rauben dir die Lebensenergie. Halte dein Wort!

 

4) Lebe gedanklich im Überfluss, nicht im Mangel

 

Wir kommen in diesem inhaltsintensiven Blog zum letzten wichtigen Learning. Es ist so immens wichtig, dass du einen inneren Reichtum entwickelst. Dass du dich auf das fokussierst, was du hast, und nicht auf das, was dir fehlt. 

 

Das Thema Ernährung ist hierzu ein hervorragendes Trainingsfeld, und dazu zähle ich auch den Alkoholkonsum. Natürlich hätte ich mir den ganzen Januar sagen können: "Oh mein Gott, ich vermisse mein Weizenbier... Ich würde jetzt echt gerne ein Glas Wein trinken... Oha, am Donnerstag ist das Treffen bei meinem Schwager und ALLE anderen trinken auch Alkohol...

 

Aber NEIN! Ich habe eben für mich eine Entscheidung getroffen und wollte sie auch durchziehen, um nicht gegenüber mir selbst als jämmerlicher Waschlappen da zu stehen! Also habe ich mich im Januar bezüglich des Alkohols darauf konzentriert, was ich denn an "Genussgetränken" auch sonst trinken kann. Abgesehen von viel Wasser und z.B. Kaffeegetränken habe ich mir deshalb einige Male etwas Besonderes überlegt. Ich habe mir frische Minze und Zitrusfrüchte (Limette, Zitrone etc) gekauft und mir und meiner Freundin einen besonderen alkoholfreien Cocktail gemischt. Dinge wie gute Säfte, Bitter Lemon, Wasser und Obst-Stücke waren ebenfalls Bestandteile dieser Drinks. Hätte ich nicht die "Alkoholfrei-Challenge" gemacht, wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen, mal solche Drinks selbst zu mixen. Ich "musste" also kreativ werden, und dann bin ich genau in meinem Element! Die Drinks waren total lecker, denn komischerweise gelingt mir koch- oder getränketechnisch fast immer alles auf Anhieb, was ich neu ausprobiere. :-) 

 

Da habe ich wieder gemerkt: Ich kann doch mit alkoholfreien Cocktails einen genauso schönen Abend verbringen wie mit einem Weizenbier! Meine Freundin ist bei mir, wir können uns schön unterhalten, wir sitzen warm und trocken, was wollen wir mehr?!

 

Konzentriere dich also auf die Möglichkeiten, die dein "Verzicht" mit sich bringt. Schaue immer auf diese Seite der Medaille, dann wirst du auch glücklich damit. Mit der selben Einstellung würde ich dir auch dringend raten, dich zumindest eine Zeit lang mal auf eine vegetarische oder vegane Ernährung einzulassen. Denn auch dann wirst du erkennen, wie vielfältig das sein kann und dass der angebliche Verzicht völliger Quatsch ist. Aber zu diesem Thema wirst du noch viel in Zukunft von mir hören. 

 

Das waren meine wichtigen Learnings. Du merkst schon, dass so etwas weit über das Thema Alkohol hinaus geht, oder?

 

Hast du schon einmal länger auf Alkohol verzichtet? Was hat das mit dir gemacht?

 

Liebe Grüße, 

 

dein Alexander Bitting 

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