Die Botschaften einer Krise - was uns diese Phasen zeigen wollen

Ich steige direkt ein in die Botschaften, die ich sowohl aus meiner Krise 2011 als auch aus dieser Corona-Zeit gezogen habe:

1) Werde AKTIV!

 

Ein ganz wichtiges Learning direkt am Anfang. Die Botschaft einer Krise ist immer Aktivität. Das falscheste, was du in einer persönlichen oder gesellschaftlichen Krise machen kannst, ist es, passiv zu sein und abzuwarten, bis es schon irgendwie von allein vorbei geht. Es heißt ja, dass man den wahren Charakter eines Menschen in der Krise erkennt, wenn Probleme und vielleicht sogar Krankheiten auftauchen.

Ich wollte es vor 10 Jahren nicht einfach so hinnehmen, dass ich psychisch krank bin, beruflich orientierungslos sowie mit schwachem Selbstbewusstsein ausgestattet. Also wurde ich aktiv und habe mir professionelle Hilfe geholt. Ich krempelte mein Berufsleben um, nahm professionelle psychische Hilfe in Anspruch, arbeitete ab dann durch viel Persönlichkeitsentwicklung an meinen Ängsten. Durch Aktivität kommt man am besten durch Krisen und größere Ängste können dadurch meistens gar nicht erst aufkommen.

 

Frage du dich doch einmal, in welchem Bereich du aktiv(er) werden solltest. Ich bin seit dem ersten Lockdown im März 2020 z.B. körperlich noch viel aktiver geworden. Ich gehe viel mehr spazieren, achte noch stärker auf eine gesunde Psyche und lege viel mehr Wert auf eine gute Ernährung. Wenn ich höre, dass viele Leute seit Corona und Homeoffice viel fauler und träger geworden sind, muss ich schmunzeln. Daran ist dann nämlich nicht Corona schuld, sondern die Grundeinstellung der Leute. Eine Krise ist immer das Spiegelbild der Schwachstellen der Menschen. Wie bei einer Lupe, kommen die Schwächen und Ängste der Menschen in einer Krise noch sehr viel stärker hervor. Oder natürlich auch umgekehrt die Stärken.

2) Stelle dich in deinen Lebensbereichen stabiler auf und hinterfrage deine Schwachstellen

Damit sind wir auch direkt beim nächsten Punkt, nämlich deinen Schwachstellen. Mir hat der berufliche Stress vor 10 Jahren, einige Verluste bzw. Todesfälle und mein schwaches Selbstbewusstsein gnadenlos meine Schwächen aufgezeigt. Ich war beruflich ziel- und orientierungslos und bin nicht meiner Berufung nachgegangen. Ich lebte in einer unglücklichen Beziehung, die mir auch keinen Halt gab. Kein Vorwurf an meine damalige Freundin - ich selbst war derjenige, der sich und sein Herz nicht geöffnet hat. Ich hatte große Ängste, die mit meinem Stottern zusammenhingen: Versagensängste oder z.B. die Angst, ausgeschlossen und ausgelacht zu werden. Bis dahin habe ich vieles in meinem Leben runtergeschluckt, was ich eigentlich sagen oder zeigen wollte. Nicht zufällig hatte ich deshalb auch längere Zeit starke Halsschmerzen und ein dickes Kloßgefühl im Hals.

Ich hatte also gleich in mehreren Lebensbereichen große Aufgaben, die mir meine Krise als Botschaft geschickt hat. Ich musste mein Berufsleben komplett überdenken, meine Beziehungen pflegen und ins Reine bringen, Verlustängste aufarbeiten und vor allem mein Selbstbewusstsein und meine seelische Gesundheit stärken - z.B. dadurch, dass ich an meinen Ängsten arbeitete, die mit meinem Stottern zusammenhingen. Ende 2011 war ich mit der "groben Arbeit" durch, startete als Redakteur in ein neues Berufsfeld und war auch körperlich und seelisch allmählich wieder fit. Wobei ich ja dazu betonen muss, dass die Arbeit an der beruflichen Erfüllung, an der Gesundheit und Persönlichkeit, an Beziehungen und dem eigenen Selbstbewusstsein ein lebenslanger Prozess ist, der nie wirklich vorbeigeht.

Durch diese enorme Arbeit, die ich seit 2011 in meine Lebensbereiche investiert habe, sehe ich mich inzwischen überall gut aufgestellt - und gegen Krisen gewappnet.

Und nun kommst du. Bei welchen Lebensbereichen hat dir die Krise bisher den Spiegel vorgehalten? Wie geht es dir gesundheitlich? Welche seelischen Probleme macht die Krise offensichtlich? Welche körperlichen Probleme hast du? Bist du beruflich und finanziell gut aufgestellt? Für Menschen, die von Kurzarbeit oder sogar Jobverlust betroffen sind, könnte z.B. die Botschaft sein, sich Alternativen aufzubauen. Sein berufliches und finanzielles Fundament auf mehrere Säulen zu stellen. Nicht mehr nur von einer Einkommensquelle oder einem Arbeitgeber abhängig zu sein. Ich weiß, dass das ein längerer Prozess ist, sich mit den eigenen Stärken und Fähigkeiten etwas freiberufliches aufzubauen - aber es lohnt sich. Du lernst damit so viel über dich selbst und gibst dir damit selbst die Chance, dich unabhängiger von anderen zu machen.

Also: Wo liegen deine Schwachstellen, die durch die Krise hervortreten? In welchen Lebensbereichen solltest du dich stabiler aufstellen? Fang einfach mal an, mach dich auf den Weg und werde aktiv. Zu verlieren hast du nichts. Entweder du gewinnst, oder du lernst. Es geht nicht um die konkrete Zielerreichung im Leben, sondern um den kreativen Erschaffungsprozess. Es geht darum, in welchen Menschen du dich entwickelst, wenn du dich auf den Weg machst.

3) Verändere DU dich und warte nicht, dass sich etwas verändert


Corona hat nicht nur durch das Virus an sich viele Veränderungen mit sich gebracht, es hat auch viele Dinge in der Welt beschleunigt. Die Digitalisierung, Robotisierung und die Veränderung der Arbeitswelten zum Beispiel. Letzteres leider auch dadurch, dass bereits jetzt viele Stellen gestrichen oder die Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt werden. Eine Tendenz, die sich noch deutlich beschleunigen wird.

In dieser neuen Welt, die sich die nächsten Jahre in fast allen Bereichen noch schneller verändern wird, ist es wichtig, dass du dich dem Zeitgeist anpasst und dich selbst veränderst - bevor du durch große globale Umbrüche zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt dazu gezwungen wirst.

Mich hat meine Krise 2011 gezwungen, mich zu verändern. Ich hatte in vielen Bereichen den sprichwörtlichen Karren voll gegen die Wand gefahren und bekam dafür die Quittung. Ich musste mich also verändern, weil es so einfach nicht weiter gegangen wäre.

So muss es aber nicht laufen. Wir können uns nämlich nicht nur durch schmerzhafte Erfahrungen weiterentwickeln, sondern auch durch den königlichen Weg der Erkenntnis. Mit anderen Worten: Wir können uns auch freiwillig und gerne verändern, bevor es zu spät ist. Ich habe damals meine Krise zumindest mit dieser Wucht nicht kommen sehen. Da hätte ich mir gewünscht, dass vorher mal jemand mit mir über meine Schwächen und Ängste Klartext geredet hätte. So eine Art Mentor oder richtig enger Vertrauter, der mir auch mal die Dinge sagt, die ich vielleicht nicht gerne hören will, aber mal hören muss.

Hatte ich aber nicht, was natürlich kein Vorwurf an meine damaligen Vertrauenspersonen ist. Schließlich habe ich ja selbst nicht die Initiative ergriffen und in vielen Bereichen einfach so vor mich hergelebt. Merke: Psychische Gesundheit ist immer eine Holschuld, worum du dich selbst kümmern musst.

Mache also möglichst keine Fehler, die andere Menschen schon zuhauf in ihrem Leben gemacht haben. Gehe den Weg der Erkenntnis und lerne aus den Lebenserfahrungen anderer Leute. Und dann verändere dich schnell in die richtige Richtung, bevor es zu spät ist und - wie bei mir vor 10 Jahren - der symbolische Mann mit dem großen Hammer kommt, um dich wachzurütteln.

In der Corona-Zeit habe ich mich auch nochmal verändert, z.B. gesundheitlich. Ich bewege mich nun täglich auf dem Trampolin (Geheimtipp! siehe Foto), sorge noch mehr für meine körperliche Gesundheit vor und habe z.B. Meditation noch stärker in meinen Alltag integriert. Wenn du zu diesen Themen Tipps haben willst, kontaktiere mich gerne.

4) Eine Krise meint es gut mit den Menschen - alles im Leben passiert, um dich zu stärken

Ich weiß, dass dieser Satz für viele krisengebeutelte Menschen schwer zu verstehen ist. Wenn jemand seinen Job, viel Geld oder sogar einen geliebten Menschen an Corona verloren hat, klingt diese Aussage natürlich völlig weltfremd. Es geht hier aber nicht um einzelne Schicksale, sondern um die Grundintention des Lebens. Denn grundsätzlich meint es das Leben immer gut mit dir. Das zeigt allein die Tatsache, dass du lebst und gerade diesen Blog lesen kannst. Das Leben liebt dich und dass du da bist, ist kein Zufall.

Eine Kernaussage einer Krise kann somit auch sein: "Hiermit will ich dir zeigen, dass ich noch etwas Besseres mit dir vor habe."

Na klar, das ist im allerersten Moment sau schwer zu erkennen, das muss ich zugeben. Das hatte ich 2011 auch nicht auf dem Schirm, was Verluste, extremer beruflicher Stress, ein ständig schmerzender Hals, starke Schwindelattacken, Todesängste vor dem Einschlafen oder eine Depression nun Positives mit mir vor hatten. Ich habe nicht die Botschaft dahinter verstanden. Im Endeffekt haben es aber all diese Symptome - die zugegebenermaßen sehr geballt kamen - sehr sehr gut mit mir gemeint. Sie haben dafür gesorgt, dass ich mich endlich weiterentwickelt habe. Ich habe grundlegende Strukturen in meinem Leben verändert, was ich sonst nicht gemacht hätte. Ich habe all das getan, was ich dir weiter oben beschrieben habe. Ich habe mich verändert und meine Lebensbereiche stabiler aufgestellt.

Das Wort Krise kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet auch etwas wie "Wende!". Bei mir was es auch der Wendepunkt in ein viel besseres Leben.

Was könnte für dich das Gute an dieser Zeit sein? Inwiefern meint es diese Krise auch gut mit dir? Gehe diesen Fragen doch mal auf den Grund. Da musst du zwar unter Umständen ziemlich lange graben, aber die Suche lohnt sich.

Das Leben meint es gut mit dir. Du bist jederzeit geliebt. Das Universum versucht immer, die Menschen zu beschützen und eine schützende Hand über sie zu legen.

Vielen Dank für's Lesen.

Was sind deine persönlichen Botschaften aus der Krise? Schreibe gerne einen Kommentar unter den Blog.

Dein Alexander Bitting

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Kommentare: 1
  • #1

    Dirk Drauschke (Donnerstag, 25 Februar 2021 17:37)

    Hallo Alexander.

    Als Dein Nachbar aus Hochmoor verfolge ich Dich und Dein Tun schon länger.
    Ich muss sagen, dass es mir sehr zusagt was Du da schreibst, weil es aus Deinem
    eigenen Leben ist und wahre Worte sind.

    Was ich aus meiner Lebenskrise vor 12 Jahren (Burnout, Psychose, PsychKG) mit
    reinem Gewissen und vollen Herzens weitergeben kann. ist folgender Ratschlag:

    Entdecke das Kind in Dir wieder und folge dann mit Liebe, Lust und Leidenschaft
    Deinem Lebenstraum. Dieser sollte auf dem Bedürfnis der Verbundenheit mit
    den drei Leitwerten Liebe, Lebensfreude und Wohlstand für alle beruhen.

    In diesem Sinne weiter so und wenn es sich ergeben sollte, holen wir das mit dem
    Bierchen und persönlichen Kennlernen bei einer sich ergebenden Gelegenheit nach.
    Vielleicht im Sommer auf ein Bierchen im Biergarten des Hauses Wübbeling.

    Herzlichst

    Dirk